HBL
ÜberZahl – Die Zahlenkolumne: Gidsel und Grgić auf Rekordjagd

Mathias Gidsel und Marko Grgić gehören bereits jetzt zu den erfolgreichsten Torjägern der HBL-Geschichte. Während Gidsel bereits den 1.000-Tore-Meilenstein in Rekordtempo erreicht hat, jagt Grgić die nächsten Bestmarken. Datenanalyst Julian Rux vergleicht in der neuen Ausgabe von „ÜberZahl“ die Karriereverläufe der beiden und zeigt, welche Rekorde als Nächstes fallen könnten.
Am vergangenen Donnerstag erzielte Marko Grgić als zweitjüngster Spieler aller Zeiten sein 500. Feldtor in der Opel HBL. Den Rekord als jüngster Spieler mit 500 Toren inklusive Siebenmetern hatte er sich bereits im Dezember gesichert.
Lediglich 30 Tage jünger als Grgić war Rekordhalter Uwe Gensheimer, als er sein 500. Feldtor in der „stärksten Liga der Welt“ erzielte. Grgić selbst wurde nur einen Tag nach seinem Meilenstein 22 Jahre alt. Und auch bei der Anzahl der Spiele war er bemerkenswert schnell: Lediglich 98 Partien benötigte er für die 500 Feldtore. Gensheimer brauchte dafür 39 Spiele mehr.
Ganz an die Spitze reicht es damit allerdings noch nicht. Neun Spieler erzielten ihr 500. Feldtor in noch weniger Spielen. Ganz oben auf der Liste steht auch hier: Mathias Gidsel. Der Däne benötigte gerade einmal 72 Spiele. Der bisherige Rekordhalter Jerzy Klempel kam auf 15 Partien mehr.

Bei diesem Vergleich muss man Grgić allerdings zugutehalten, dass er einen entscheidenden Nachteil gegenüber Gidsel und den anderen Spielern vor ihm hat. Während diese bereits als etablierte Stars in die Liga kamen, absolvierte Grgić seine ersten HBL-Spiele noch als junger Spieler. Seine Entwicklung zum Topspieler vollzog sich also erst in der Liga.
Die ersten Feldtor-Meilensteine
Wie stark diese Entwicklung war, zeigt schon der Blick auf die ersten Meilensteine. Für seine ersten 50 Feldtore benötigte Grgić noch 19 Spiele. Für die nächsten 50 waren es nur noch neun. Ein Tempo, das er auch bei den folgenden Hunderterschritten ungefähr halten konnte.
Gidsel brauchte für seine ersten 100 Feldtore dagegen 21 Spiele. Damit waren immerhin 22 Spieler noch schneller. Doch danach nahm seine Entwicklung richtig Fahrt auf. Für die nächsten beiden Hunderter-Schritte benötigte der Däne jeweils nur zwölf Spiele.
Spätestens beim 300. Feldtor war Gidsel dann nicht mehr einzuholen. In gerade einmal 47 Spielen hatte er diesen Meilenstein erreicht. Die zweitplatzierten Nenad Peruničić und Hansi Schmidt benötigten sieben Partien mehr.
Ganz sicher ist der Rekord allerdings noch nicht. Emil Madsen könnte Gidsel zumindest beim 300. Feldtor noch abfangen. Bei 200 Feldtoren liegt der Kieler gemeinsam mit Roman Putgarnik noch vor dem Berliner. Dafür müsste Madsen in den nächsten vier Spielen allerdings noch 57 Feldtore erzielen. Das wären 14,3 pro Partie. Realistischer ist daher, dass er sich hinter Gidsel auf Rang zwei einreiht.
Welche Feldtor-Rekorde bald fallen könnten
Während das 1.000. Feldtor für Marko Grgić noch ein gutes Stück entfernt ist, hat Gidsel diesen Meilenstein bereits erreicht. Ende August erzielte er seinen 1.000. Treffer in seinem 128. Spiel. Damit war er 40 Spiele schneller als der zweitplatzierte Kyung-Shin Yoon. Der Südkoreaner hatte diesen Rekord mehr als 25 Jahre gehalten.
Für Grgić wird es nahezu unmöglich, Gidsel auch bei diesem Rekord einzuholen. In seinen nächsten 30 Spielen müsste er dafür 495 Feldtore erzielen. Das wären 16,5 pro Partie.
Deutlich realistischer ist ein anderer Rekord. Grgić könnte der jüngste Spieler aller Zeiten mit 1.000 Feldtoren werden. Aktueller Rekordhalter ist Holger Glandorf, der diesen Meilenstein 2008 im Alter von 25 Jahren, fünf Monaten und elf Tagen erreichte. Grgić wird dieses Alter am 22. Februar 2029 erreichen.
Bleibt er bis dahin weitestgehend verletzungsfrei, könnte er bis zu diesem Zeitpunkt rund 84 Spiele absolvieren. Für Glandorfs Rekord müsste er in diesen Partien durchschnittlich 5,8 Feldtore erzielen. Exakt bei diesem Wert liegt er aktuell in dieser Saison. In der vergangenen Spielzeit waren es 5,1.
Selbst wenn Grgić allerdings einige Spiele verletzungsbedingt verpassen sollte, wäre der Rekord nicht automatisch außer Reichweite. Bei beispielsweise 75 Spielen bis zum Stichtag müsste er 6,6 Feldtore pro Partie erzielen.
Allerdings hängt eine solche Hochrechnung natürlich von vielen Faktoren ab. Vor allem von seiner Rolle in der Mannschaft. Ab der kommenden Saison stehen unter anderem auch die Costa-Brüder für die SG auf der Platte. Wie sich dadurch die offensive Verantwortung verteilt, wird auch für Grgićs weitere Torquote eine Rolle spielen.
Der Blick auf die weiteren Feldtor-Rekorde, wie ihn auch die folgende Grafik zeigt, macht eines deutlich: Gidsel ist den bisherigen Rekordhaltern Yoon und Glandorf derzeit deutlich voraus. Grgić bewegt sich dagegen auf einem ähnlichen Karrierepfad wie Yoon und liegt ebenfalls deutlich vor Glandorf.

Rekorde einschließlich Siebenmeter
Bei den Rekorden inklusive Siebenmetern musste sich Gidsel beim 1.000. Tor dagegen knapp geschlagen geben. Jerzy Klempel hält den Rekord seit 1988. Er benötigte fünf Spiele weniger als Gidsel.
Allerdings kam Klempel erst im Alter von 28 Jahren nach Deutschland und war bei seinem Rekord bereits 35 Jahre alt. Nach 153 Spielen und 1.189 Toren beendete er seine Karriere in der Bundesliga.
Für Gidsel geht die Rekordjagd also weiter. Beim nächsten großen Meilenstein könnte er Klempel bereits hinter sich lassen. Für die 1.250 Tore fehlen dem Dänen noch 223 Treffer. Gleichzeitig hat er 43 Spiele Zeit, um den aktuellen Rekord von Kyung-Shin Yoon zu knacken, der diesen Meilenstein nach 174 Spielen erreichte.
Dafür müsste Gidsel durchschnittlich 5,2 Tore pro Spiel erzielen. Eine Marke, die deutlich unter seinem Karriereschnitt von 7,8 liegt. Auch seine vergangenen beiden Spielzeiten machen die Rechnung durchaus interessant: 9,3 Tore pro Spiel waren es im Schnitt in der vergangenen Saison, aktuell steht er bei 8,0.
Bleibt er gesund und trifft weiter in diesem Tempo, könnte der Rekord bereits gegen Ende der laufenden Saison fallen.
Noch etwas weiter reicht der Blick beim 1.500. Tor. 473 Treffer fehlen Gidsel noch. Den Rekord für die wenigsten benötigten Spiele hält auch hier Yoon. Der Südkoreaner brauchte 203 Partien.
Gidsel hätte damit noch 72 Spiele Zeit und müsste in dieser Zeit durchschnittlich 6,6 Tore pro Spiel erzielen. Auch wenn seine Torausbeute durch prominente Neuzugänge bei den Füchsen in der kommenden Saison etwas sinken könnte, erscheint auch dieser Rekord damit zumindest erreichbar.
Beim 2.000. Tor wird die Rechnung dagegen deutlich langfristiger. Nur zwölf Spieler haben in der HBL-Geschichte überhaupt diese Marke erreicht. Yoon hält auch hier mit 265 Partien den Rekord für die wenigsten benötigten Spiele.
Gidsel hätte noch 134 Spiele Zeit, um die 974 fehlenden Tore zu erzielen. Dafür wären 7,3 Treffer pro Spiel nötig. Allerdings handelt es sich hier um einen Zeitraum von rund vier weiteren Saisons. Verletzungen, Vereinswechsel, neue Mitspieler und veränderte Rollen machen solche Hochrechnungen entsprechend unsicher.
Das gilt erst recht für noch größere Marken wie die 3.114 Tore von Hans Lindberg. Die folgende Grafik zeigt dennoch eindrucksvoll, wie sich Gidsel aktuell im Vergleich zu Yoon und Lindberg entwickelt.

Grgić bewegt sich dagegen auf einem ähnlichen Verlauf wie Lindberg und Yoon. Dass er ein guter Siebenmeterschütze ist, kommt ihm bei diesen Vergleichen zugute. Werden die Strafwürfe mitgerechnet, schrumpft der Abstand zu Gidsel entsprechend.
Bis zu seinem 1.000. Treffer fehlen Grgić aktuell noch 389 Tore. Um den Rekord von Jerzy Klempel einzuholen, bleiben ihm 25 Spiele. Dafür müsste er allerdings (unrealistische) 15,6 Tore pro Partie erzielen.
Interessanter wird deshalb der Blick auf den 2.000. Treffer. Um mit Yoon gleichzuziehen, hätte Grgić noch 167 Spiele Zeit. Das entspricht fast fünf weiteren Saisons. In dieser Zeit müsste er 1.389 Tore erzielen, also durchschnittlich 8,3 pro Spiel.
Einfach ist auch das nicht. Und vielleicht ist bis dahin ohnehin ein anderer Rekordjäger schneller gewesen: Mathias Gidsel.
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