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Der neue Löwen-Coach Michel Abt: „Cheftrainer zu sein ist schon eine ganz andere Rolle“

Foto: Klahn
Seit vergangener Woche ist das Club-Urgestein Michel Abt der neue „Löwenbändiger“. Nach der knappen Niederlage in Kiel steht der 36-Jährige vor seinem Heimdebüt, und dies gleich gegen den Meister aus Magdeburg (Sonntag, 15 Uhr, Dyn und im Free-TV).
„Das waren schon intensive Stunden vergangene Woche, absolut vollgepackt. Da war ich froh, dass ich am Wochenende mal einen Tag Pause hatte.“ Man nimmt es Michel Abt definitiv ab. Am Montag vergangener Woche gaben die Rhein-Neckar Löwen die Trennung von ihrem Cheftrainer Maik Machulla bekannt, aus dem Co-Trainer Michel Abt wurde der Cheftrainer Michel Abt. Drei Tage später stand schon die erste Bewährungsprobe an und das gleich beim THW Kiel. Dort ließen die Löwen unglücklich beide Punkte: Der Kieler Siegtreffer zum 37:36 durch einen Siebenmeter von Eric Johansson fiel erst nach dem Schlusspfiff. „Es war eine strittige Szene, die zum Siebenmeter führte, aber vorher hätten wir auch cleverer und effizienter agieren müssen, um am Ende die Punkte mitzunehmen“, sagt Abt zu seinem ersten Spiel als Bundesliga-Cheftrainer, meint aber auch: „Es gab auch viele positive Dinge. Wenn man dem THW Kiel mit dessen Kader und der aktuellen Form solange auf Augenhöhe begegnet, zeigt dies, welche Möglichkeiten in der Mannschaft stecken. Aber es waren eben ein, zwei Fehler zu viel. Dennoch sind wir positiv gestimmt und nehmen aus dem Spiel viel mit.“
Für den „neuen Löwenbändiger“ Michel Abt gilt das Gleiche wie für Patrick Groetzki, der im Juni seine erfolgreiche Karriere beendet hatte: einmal Löwe, immer Löwe. Im Alter von 14 Jahren wechselte der gebürtige Kronauer zu den Rhein-Neckar Löwen, durchlief alle Jugendmannschaften, spielte für die Profis, mit denen er EHF-Pokalsieger und einmal Meister wurde, sowie für die 2. Mannschaft, die er von 2017 bis 2022 auch trainierte. Einzige Ausnahme war eine Spielzeit als Trainer der Eulen Ludwigshafen. Im Sommer 2025 kehrte er zu den Löwen zurück, wurde Co-Trainer bei seinem Heimatklub. „Ich habe fast meine komplette handballerische Karriere bei diesem Verein verbracht und habe als Spieler nie den Verein gewechselt. Da habe ich natürlich eine besondere Beziehung zu den Löwen.“
Aber auch wenn er seit so vielen Jahren bei den Badenern ist, „Cheftrainer zu sein ist schon eine ganz andere Rolle als vorher, auch wenn ich natürlich alle Spieler kenne.“ Seine Trainerphilosophie ist für Abt, „mit hohem Tempo mutig nach vorne zu spielen und entscheidungsfreudig zu sein, auch wenn es sich nicht direkt positiv im Ergebnis ausdrückt. Davon können wir langfristig nur profitieren. Wir wollen mit vielen Rhythmuswechseln und Spielbrüchen den Gegner vor Aufgaben stellen.“
Mit 7:11 Punkten stehen die Löwen derzeit auf Rang elf der Tabelle. Am Sonntag (15 Uhr, live bei Dyn, WELT. TV, BILD und im Dyn Sport Mix) steht für Abt gegen den Meister SC Magdeburg das Heimdebüt in seiner neuen Rolle an. „Wir haben nach dem Kiel-Spiel viele Dinge angesprochen, haben viel kommuniziert und fokussieren uns voll auf den Sport. Natürlich ist das ein sehr intensiver Start für uns, erst Kiel, dann Magdeburg. Aber wir haben in Kiel gezeigt, dass wir gegen eine Topmannschaft mithalten können“, sagt Abt, für den der SCM „zu den besten Teams der Welt“ gehört. Auch, dass der Meister am Donnerstag im norwegischen Kolstad noch Champions League spielt und die Löwen sich länger vorbereiten können, sieht er nicht als Vorteil: „Diese Konstellation ist Magdeburg gewöhnt. Da kommt eine große Qualität und alles werden wir gegen sie nicht lösen können, aber wir bereiten uns konsequent und intensiv vor.“
Große Hoffnungen setzt Abt im Duell mit dem Meister auf die Löwen-Fans: „Wir haben viele Tickets verkauft und die Halle wird gut gefüllt sein. Ich hoffe, die Fans werden zu einem großen Faktor. Unsere Aufgabe ist es, sie mit ins Boot zu nehmen.“ In den bisherigen vier Heimspielen errangen die Löwen zwei Siege gegen Melsungen und Balingen, aber kassierten auch zwei Niederlagen gegen Gummersbach und Eisenach.
Abts Leben besteht indes nicht nur aus Handball, zudem ist er Lehrer für Geografie und Sport am Leibniz-Gymnasium in Östringen. „Das ist eine tolle Abwechslung, so denke ich auch mal zwei bis drei Stunden am Tag nicht an Handball. Zudem stehe ich gerne in der Sporthalle oder im Klassenzimmer, das tut mir sehr gut.“










