HBL
Der torgefährliche SG-Spielmacher mit wenig Schlaf: Aymeric Minne vor dem Topspiel gegen Berlin

Foto: Anderson-Jensen
Mit zwölf Treffern gegen die Recken setzte Neuzugang Aymeric Minne am vergangenen Spieltag der Opel HBL eine Duftmarke für die SG Flensburg-Handewitt. Nun geht es für den französischen Spielmacher und jungen Vater gegen die Füchse darum, die Spitze zu verteidigen. Das Topspiel gibt es live im Free-TV.
Sieben Jahre spielte er an der französischen Atlantikküste, nun ist seine Heimat an der Flensburger Förde, aber diese Lage am Wasser sei eher Zufall: „Ich bin ja wegen der Klubs gewechselt, nicht wegen des Meeres. Aber ja: an diesem kleinen Fjord gefällt es mir auch landschaftlich richtig gut. Nantes ist viermal so groß wie Flensburg, und ich mag diese kleine Stadt“, sagt Aymeric Minne, Top-Neuzugang der SG Flensburg-Handewitt im Sommer 2026.
Der 29-jährige Franzose ist der neue Spielgestalter beim aktuellen Tabellenführer der Opel Handball-Bundesliga, gleichzeitig aber auch sehr torgefährlich. Beim 39:32 gegen die TSV Hannover-Burgdorf war Aymeric Minne bester SG-Werfer mit zwölf Treffern. „Eigentlich bin ich derjenige, der das Spiel lenkt und leitet, aber ich werfe auch gerne Tore. Das will ich mir beides bewahren und will beides für meine Mannschaften einbringen“, sagt der französische Nationalspieler, der 2025 WM-Bronze mit „Les Bleus“ gewann.
Bevor Minne 2019 zu HBC Nantes wechselte, lief er für Pays d’Aix UC auf, wo er im Alter von 18 Jahren auch sein Erstligadebüt in Frankreich gab. In den sieben Jahren in Nantes wurde er Pokalsieger, erreichte zweimal das Champions-League-Finalturnier in Köln, war immer der große Verfolger von Paris Saint-Germain, gewann aber nie die Meisterschaft. Während der Wechsel ins SG-Team problemlos lief, hatte er anfangs noch ein paar Probleme mit der Umstellung im Privaten: „ein neues Land, eine neue Sprache, alles neu.“ Und als er sich langsam eingelebt hatte, wurde er im September Vater. „Mittlerweile finde ich gerade den Rhythmus zwischen schlaflosen Nächten und Profihandball“, sagt Minne, der aufgrund der Geburt nicht im SG-Kader beim Sieg gegen die TBV Lemgo Lippe stand. „Familie geht immer vor“, hatte Trainer Ales Pajovic seinerzeit gesagt.
Nun, da sich Aymeric Minne immer besser mit der Situation arrangiert hat, läuft es rund für ihn. Ungeschlagen in der Opel HBL mit sieben Siegen und einem Remis gegen Kiel, verlustpunktfrei in der European League – die SG ist momentan das Maß aller Dinge. „Gerade in der Opel HBL gibt es kein einziges einfaches Spiel, deswegen ist dieser Start umso besser. In der vergangenen Saison hatte Flensburg einige Punkte liegengelassen, bisher ist das nicht der Fall und so soll es auch weitergehen“, sagt Minne. „Das Zusammenspiel in der Mannschaft wird von Tag zu Tag besser. Ich versuche mich so einzubringen, wie ich es in Nantes erfolgreich getan habe.“
Und aus seiner Zeit in Nantes weiß er auch, wie man die Füchse Berlin schlägt. Im Achtelfinale der European-League-Saison 2021/22 warf HBC den Hauptstadtklub raus, verpasste dann aber das Finalturnier. 2025 drehten die Füchse den Spieß um, gewannen in Köln das Champions-League-Halbfinale gegen Minne und Nantes 34:24. Am Sonntag (15:00 Uhr, live bei Dyn, Welt TV, NDR, BILD und Dyn Sport Mix) trifft der französische Spielmacher nun erstmals in der Liga auf die Berliner. Dass sein Teamkollege Simon Pytlick und sein Nationalmannschaftskollege Dika Mem nächste Saison nach Berlin wechseln, ist für Minne überhaupt kein Thema: „Erstens ist das erst 2027, und zweitens denke ich, dass Simon das Spiel am Sonntag unbedingt gewinnen will.“
Er selbst hat großen Respekt vor den Füchsen: „Auch wenn sie Dejan Milosavljev und Lasse Andersson verloren haben, gehören sie immer noch zu den besten Vereinen– und sie haben mit Mathias Gidsel den weltbesten Spieler in ihren Reihen, der beim letzten Spiel gegen Flensburg 18-mal traf. Da müssen wir aufpassen.“ Sowohl Füchse als auch Flensburg setzen auf hohes Tempo und viele Tore – im Schnitt traf die SG 35,5 Mal pro Spiel und Berlin 33,8 Mal. „Ich hoffe nicht, dass die Fans am Sonntag mehr als 80 Tore sehen. Ich hoffe, dass wir eine gute Abwehr stellen und so viele Gegentore verhindern. Nur so können wir gewinnen“, sagt Minne, der in sieben Partien bislang 46 Treffer erzielte und somit hinter den Dänen Simon Pytlick (51) und Emil Jakobsen (49) aktuell drittbester SG-Werfer ist.
Und neben möglichst vielen Titeln mit der SG freut sich der torgefährliche Spielmacher auch auf einen anderen Saisonhöhepunkt in Deutschland: die WM 2027. „Weil ich jetzt in der Bundesliga spiele, lerne ich sehr viele Spieler kennen, gegen die ich bei der WM spielen werde. Das sorgt für Vorfreude. Und dann natürlich in der Hauptrunde in Köln zu spielen, wird super – auch wenn ich dort schon zweimal aufgelaufen bin.“










