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Historisches Datum: Der erste Spieltag der HBL-Geschichte

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Foto: Karikaturen aus der Handball-Woche

Am 15. Oktober 1966, heute vor 60 Jahren, startete die neu gegründete Handball-Bundesliga in ihre erste Saison. Geprägt wurde sie noch von zahlreichen Club-Nobodys und dem ersten Torschützenkönig Hansi Schmidt vom VfL Gummersbach. Für den ersten Torschützen der HBL-Geschichte kommen allerdings mehrere Namen in Frage.

Wer war der erste Torschütze in der Handball-Bundesliga? Das ist heute, am 60. Geburtstag der HBL, nicht mehr zuverlässig zu klären. Denn als die höchste Spielklasse am 15. Oktober 1966 in ihre erste Saison startete, kamen für diesen historischen Ruhm mehrere Spieler in Frage. An jenem Samstagabend nämlich wurden in der zweigleisigen Bundesliga, die aus je acht Teams in Nord- und Südstaffel bestand, gleich drei Partien um 18.30 Uhr angepfiffen. 
In der Nordstaffel liegt die Sache klar auf der Hand. Nationalspieler Herbert Lübking, der vier Monate zuvor Feldhandball-Weltmeister geworden war, erzielte das erste Tor beim Auswärtsspiel von Grün-Weiß Dankersen beim PSV Hannover (18:18). Im Süden traf Josef Hutter in der ersten Minute der Partie seines TV Hochdorf gegen die Reinickendorfer Füchse (14:11). Da exakte Berichte der Begegnung TuS 1860 Neunkirchen gegen SpVgg. 1887 Möhringen (13:11) nicht vorliegen, könnte jedoch auch im Saarland der erste Bundesligatreffer gefallen sein. 
Fünf Jahre nach der Premiere jubelten die Verantwortlichen über eine sagenhafte Erfolgsgeschichte der Bundesliga. Die Rede war von einer „Hochkonjunktur“ des Hallenhandballs. „Man muss sich allen Ernstes fragen, wohin diese Handball-Begeisterung führen wird, eine Begeisterung, die offensichtlich bald Hallen mit 10.000 bis 20.000 Zuschauern erfordert“, schrieb der Sportinformationsdienst (sid). 
Von dieser Euphorie war im Oktober 1966 noch wenig zu spüren. Das lag vor allem daran, dass Traditionsvereine wie der THW Kiel (Meister 1957, 1962, 1963) und der siebenfache Champion FRISCH AUF! Göppingen nicht zu den Gründungsmitgliedern der HBL zählten: Beide Vereine waren überraschend in den regionalen Ausscheidungen für die Deutsche Meisterschaft 1966 gescheitert, die für die Qualifikation zur Handball-Bundesliga maßgeblich waren. Der K.o. dieser Clubs, die 1967 aufstiegen, hatte gar Debatten über eine Aufstockung der Bundesliga entfacht.
Die Liga startete „begleitet von guten Hoffnungen, manchen Diskussionen und leisen Zweifeln“, befand vor dem Auftakt das Fachorgan Deutsche Handball-Woche angesichts der vielen Nobodys in der neuen Spielklasse. Zwei von ihnen, St. Georg Hamburg und der TSV Zirndorf, verschwanden nach nur einer Saison in der Versenkung der Handballgeschichte. Anders verhielt es sich beim TV Hochelheim, der im TV Hüttenberg aufging und mit Kreisläufer Horst Spengler 1978 einen Weltmeister hervorbrachte. 
Außergewöhnlich stark spielte der TV Hochdorf, der in einem Dorf mit nur 1.100 Einwohnern beheimatet war und vor der Saison in der Presse als „Schlachtopfer“ und krasser Außenseiter eingestuft worden war: Der Verein, der von den drei Brüdern Klaus, Franz und Josef Hutter geprägt wurde (und bei dem 1977-1979 ein gewisser Andreas Thiel im Tor stand) gewann die Südstaffel sensationell vor der SG Leutershausen und erreichte damit das Endspiel. 
Als größte sportliche Sensation des ersten Spieltages am 15. und 16. Oktober wurde das Remis in Hannover betrachtet. Schließlich spielte mit Erwin Heuer ein weiterer Weltmeister in den Reihen Dankersens, das neben dem Hamburger SV und Meister VfL Gummersbach zu den Topfavoriten in der Nordstaffel zählte. Als der PSV drei Minuten vor Schluss mit 17:15-Toren führte, schien vor 2.000 Fans (unter ihnen 700 Dankersen-Fans) sogar ein Sieg des Außenseiters greifbar.
Die meisten Treffer am ersten Spieltag indes erzielte ein anderer prominenter Nationalspieler: Herbert Hönnige warf seinen Verein SG Leutershausen mit neun Toren zu einem ungefährdeten 19:10-Erfolg gegen Zirndorf. Auch Nationalspieler Felix-Rüdiger Schmacke, genannt „Sir“, begeisterte laut Spielbericht der Deutschen Handball-Woche „in der zweiten Hälfte des Spiels mit knallharten Würfen sowie einem trickreichen Kreisanspiel“ und trug damit zur Tabellenführung der SGL bei. 
Im Norden übernahm der VfL Gummersbach mit einem deutlichen 23:12-Sieg gegen den VfL Bad Schwartau den ersten Platz und gab ihn nicht wieder ab. Angeführt wurden die Oberbergischen von den Brüdern Klaus und Jochen Brand sowie dem Rückraumstar Hansi Schmidt, der 1963 aus Rumänien geflüchtet und in Gummersbach gelandet war. 
Mit seinen gefürchteten Sprungwürfen dominierte Schmidt auch das einseitige Finale um die erste Meisterschaft in der Handball-Bundesliga. Am 25. März 1967 traf der Rechtshänder beim 23:7-Sieg des VfL Gummersbach gegen den TV Hochdorf allein acht Mal – und wurde mit insgesamt 91 Toren der erste Torschützenkönig der neuen Liga
Meistermannschaft VfL Gummersbach 1967 | Foto: Steickmann

Der 1. Spieltag 1966 im Überblick:

15.10.1966
VfL Gummersbach vs. VfL Bad Schwartau 23:12
Polizei SV Hannover vs. TSV Grün-Weiß Dankersen 18:18
RSV Mülheim a.d. Ruhr vs. Hamburger SV 11:12
TV Hochdorf vs. Reinickendorfer Füchse 14:11
SG Leutershausen vs. TSV 1861 Zirndorf 19:10
TV 05 Hochelheim vs. TSV Birkenau 10:10
TuS 1860 Neunkirchen vs. SpVgg 1887 Möhringen 13:11
 
16.10. 1966
St. Georg Hamburg vs. TuS Wellinghofen 7:14

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