HBL
Später Kraftakt: HC Erlangen gewinnt beim TBV Lemgo Lippe

Foto: TBV Lemgo Lippe
Der HC Erlangen hat beim TBV Lemgo Lippe mit 28:33 gewonnen. Getragen von einer kompakten Abwehr, einem unermüdlichen Marek Nissen und einem spät überragenden Torhüter Rubens Pierre setzten sich die Gäste in einer über weite Strecken ausgeglichenen Partie durch.
Am Ende gaben zwei Faktoren den Ausschlag. Zum einen agierte Erlangen im Angriff über 60 Minuten deutlich sauberer: Nur drei technische Fehler bei einer Wurfquote von gut 70 Prozent stehen 13 Ballverlusten aufseiten der Gastgeber gegenüber. Zum anderen liefen die Lemgoer einem Rückstand hinterher, obwohl ihre eigene Abschlussquote in der ersten Hälfte zwischenzeitlich über 80 Prozent lag.
Zum anderen entschied die Torhüterfrage das Spiel. In der Schlussphase drehte Pierre den Spieß um und hielt gleich mehrere Bälle in Serie, während er den Vorsprung der Gäste festhielt. Bei Lemgo hielt Constantin Möstl mit sieben Paraden ordentlich dagegen, konnte die entscheidenden Momente aber nicht auf seine Seite ziehen.
Prägende Figur der Gäste war Nissen, der mit sieben Toren nicht nur Topscorer war, sondern auch enorm viel Energie ins Angriffsspiel brachte. An seiner Seite überzeugte Christoph Steinert, der mit sechs Treffern und einer stabilen Vorstellung in der Abwehr zu den wirkungsvollsten Erlangern gehörte und in der Wertung zum Handball Performance Index (HPI 86) an die Spitze seines Teams kam. Bei Lemgo ragte Levin Wanner mit sechs Toren heraus, viele davon über schnelle Gegenstöße, und wurde mit dem besten Wert der Partie geführt (HPI 89).
Für Erlangen hat der Erfolg besonderes Gewicht: Es war der erste Auswärtssieg seit rund einem Jahr. Der HCE, der zuvor gegen den Bergischen HC den ersten Saisonsieg gefeiert hatte, klettert damit auf Rang acht. Der TBV, der den schweren Ausfall von Tim Soutou (Kreuzbandriss) verkraften muss, kassierte dagegen die dritte Saisonniederlage.
Zwei ausgeglichene Halbzeiten mit späten Entscheidungen
Die Partie begann als offener Schlagabtausch. Lukas Hutecek erzielte den ersten Treffer, doch bis zur Mitte der ersten Halbzeit lösten sich beide Teams gegenseitig ab, ohne sich absetzen zu können. Beim 11:10 nach gut 20 Minuten führte Lemgo noch knapp.
Dann setzte Erlangen den ersten wichtigen Akzent. Mit einem 5:1-Lauf zogen die Gäste davon und gingen mit einer 15:18-Führung in die Pause. Der Grund lag im Lemgoer Angriff, der bei ansonsten hoher Wurfquote schon acht technische Fehler produziert hatte. Bei den Gästen sammelten die beiden Außen Steinert und Yannik Bialowas fleißig Tore, letzterer auch sicher vom Siebenmeterpunkt.
Nach dem Seitenwechsel kam Lemgo mit deutlich mehr Tempo aus der Kabine. Über schnelle Ballgewinne und Gegenstöße glich Wanner im Alleingang zum 18:18 aus und brachte die Halle zurück. In der Folge entwickelte sich eine zähe Phase, in der beide Mannschaften immer wieder mehrere Minuten ohne Treffer blieben. Der TBV lag beim 24:23 noch vorne, ehe Erlangen erneut den entscheidenden Gang fand.
Die Schlussphase gehörte klar den Gästen. Mit einem 4:0-Lauf zogen sie auf vier Tore davon, während Lemgo seit der 50. Minute lange ohne eigenen Treffer blieb. Nun trat auch Pierre in den Vordergrund und parierte mehrfach, wodurch der Vorsprung nicht mehr wackelte. Frieder Bandlow setzte mit seinen späten Treffern den Schlusspunkt, der Endstand von 28:33 wurde erst nach einem Videobeweis zum Schlusspfiff endgültig bestätigt.
Nach dem Spiel sprach Bandlow von einer geschlossenen Mannschaftsleistung: "Nachdem wir nicht so gut aus der Kabine kommen, haben wir es am Ende doch geschafft, das Ruder herumzureißen und dürfen jetzt mit zwei Punkten, ich denke, verdient nach Hause fahren." Als Schlüssel nannte er das Tempospiel und die Abwehr: "Über das gesamte Spiel standen wir in der Abwehr wahnsinnig gut da." Bei Lemgo überwog die Enttäuschung. Möstl haderte mit dem fehlenden Rhythmus: "So haben wir uns den Saisonstart nicht vorgestellt. Ich bin ein bisschen sprachlos gerade."
Tabellarisch tauschten beide Teams durch das Ergebnis die Plätze. Erlangen verbesserte sich von Rang 13 auf Rang neun und steht nun bei 5:5 Punkten. Lemgo rutschte von Position neun auf Rang 13 ab und steht bei 4:6 Punkten.
Weiter geht es für den HC Erlangen bereits am Montag, 28. September 2026, mit dem Heimspiel gegen den ThSV Eisenach am 6. Spieltag. Der TBV Lemgo Lippe ist erst am 7. Spieltag wieder gefordert und empfängt am Donnerstag, 1. Oktober 2026, den Handball Club Hamburg. Für die Gastgeber liegt damit eine etwas längere Pause zwischen den Partien.
Die Statistiken zum Spiel
TBV Lemgo Lippe - HC Erlangen 28:33 (15:18)
TBV Lemgo Lippe: Möstl (7 Paraden), Ebner (3 Paraden); Wanner 6, Hutecek 5, Zehnder 4/4, Willecke 4, Versteijnen 3, Wagner 3, Theilinger 2, Rubin 1, Valkovskis, Carstensen, Kehrmann, O'Sullivan, Nyfjäll
HC Erlangen: Herceg (3 Paraden), Pierre (3 Paraden); Nissen 7, Bandlow 6, Steinert 6, Bialowas 5/3, Øverjordet 4, Maldonado 3, Scheerer 1, Gebala 1, Kristjánsson, Buck, Firnhaber, Lochman, Bialowas, Bissel
Topspieler: Levin Wanner (HPI 89) / Christoph Steinert (HPI 86)
Zeitstrafen: 0 / 1
TBV Lemgo Lippe: Möstl (7 Paraden), Ebner (3 Paraden); Wanner 6, Hutecek 5, Zehnder 4/4, Willecke 4, Versteijnen 3, Wagner 3, Theilinger 2, Rubin 1, Valkovskis, Carstensen, Kehrmann, O'Sullivan, Nyfjäll
HC Erlangen: Herceg (3 Paraden), Pierre (3 Paraden); Nissen 7, Bandlow 6, Steinert 6, Bialowas 5/3, Øverjordet 4, Maldonado 3, Scheerer 1, Gebala 1, Kristjánsson, Buck, Firnhaber, Lochman, Bialowas, Bissel
Topspieler: Levin Wanner (HPI 89) / Christoph Steinert (HPI 86)
Zeitstrafen: 0 / 1
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