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Wolff überragt: THW Kiel dreht Rückstand und bezwingt einen starken VfL Gummersbach

Samstag, 3. Oktober 2026

THW Kiel vs. VfL Gummersbach - Game Highlights

Foto: Klahn

Der THW Kiel hat sich beim 29:26 (13:15) gegen den VfL Gummersbach erst in der zweiten Halbzeit von einem Rückstand befreit. Getragen von einem überragenden Andreas Wolff im Tor und einer deutlich aggressiveren Abwehr drehten die Gastgeber ein lange ausgeglichenes Spitzenspiel.

Entschieden wurde diese Partie zwischen zwei Traditionsklubs vor allem auf den Torhüterpositionen. In der ersten Hälfte war es Bertram Obling, der den Gästen mit 14 Paraden den Rücken freihielt und Kiel immer wieder an der dicht gestaffelten Gummersbacher Deckung verzweifeln ließ. Nach dem Seitenwechsel kippte dieses Duell: Andreas Wolff kam ebenfalls auf 14 Paraden und entschärfte in der entscheidenden Phase einen Wurf nach dem anderen. Dass Gummersbach im zweiten Durchgang nur elf Treffer gelang, erklärt den Spielausgang maßgeblich.
Hinzu kam die Entwicklung in der Kieler Abwehr. Während der VfL im ersten Abschnitt mit viel Tempo und sauberem Zusammenspiel am Kreis zu einfachen Toren kam, rückte Kiel nach der Pause enger und beweglicher zusammen. Rasmus Ankermann prägte diese Phase als auffälligster Verteidiger und sorgte dafür, dass Gummersbach kaum noch freie Abschlusspositionen fand. Die Gäste leisteten sich dabei zu viele technische Fehler und belohnten ihre über weite Strecken stabile Defensivarbeit im Angriff nicht ausreichend.
Prägende Figuren auf Kieler Seite waren neben Wolff vor allem Domen Makuc, der mit acht Toren und viel Spielübersicht den Angriff ordnete. Bei den Gästen war Miro Schluroff mit sechs Treffern und fünf Vorlagen der auffälligste Akteur und wurde mit dem höchsten HPI-Wert des Spiels (86) ausgezeichnet. Rasmus Ankermann fasste die Partie aus Kieler Sicht treffend zusammen: Am Anfang hat die Emotionalität gefehlt. Die Abwehr steht, aber wir belohnen uns nicht für die gute Abwehr, die wir gestellt haben.
Für den THW Kiel hat das Ergebnis Gewicht: Nach dem Remis gegen Flensburg und der Niederlage in Magdeburg war der Druck vor dem Heimspiel spürbar. Mit dem Sieg schließt Kiel eine fordernde Woche mit drei Topspielen positiv ab und klettert mit 13:3 Punkten auf Tabellenplatz zwei. Gummersbach dagegen kassierte nach einem schweren Auftaktprogramm die dritte Saisonniederlage und rutschte ins Mittelfeld ab.
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Wie Kiel das Spiel nach der Pause an sich riss

Der VfL erwischte den besseren Start. Angeführt von einem treffsicheren Angriff und einem bärenstarken Obling zogen die Gäste früh davon und führten nach gut zwölf Minuten mit 6:9. Kiel tat sich gegen die kompakte Deckung um den zurückgekehrten Tom Kiesler schwer, fand nur selten Lösungen über die Breite und lief einem Rückstand hinterher. Zur Pause stand es 13:15, wobei Obling allein in Durchgang eins einen Großteil seiner Paraden sammelte und den Vorsprung der Gäste eigentlich sogar hätte höher ausfallen lassen können.
In der Kabine setzte Börge Lund den Hebel bei der Einstellung an. Rune Dahmke, der als Energiegeber zurück aufs Feld kam, beschrieb die Halbzeitansprache so: "Wir stehen zwar gut, unsere Beine arbeiten, aber unser Kopf und unsere Emotionen sind nicht richtig mit dabei." Die Botschaft wirkte: Kiel verteidigte aggressiver und kämpfte sich heran. Beim 18:18 glich der THW erstmals seit dem 1:1 wieder aus, in der 40. Minute brachte Harald Reinkind die Gastgeber mit 19:18 erstmals in Führung.
Von da an übernahm Wolff die Partie. Über eine lange Phase hielt er die Gäste bei nur wenigen Treffern, während Kiel vorne flüssiger und sicherer spielte und sich auf 23:20 und schließlich 25:21 absetzte. Tom Kiesler ordnete die Wende aus Gästesicht nüchtern ein: Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viel vorne verworfen, beziehungsweise hat Andy überragend gehalten. Und in der Abwehr war es nicht mehr so organisiert wie in der ersten Halbzeit.
Erschwerend kam die dritte Zeitstrafe gegen Ellidi Snaer Vidarsson hinzu, die beim Stand von 23:20 zur Disqualifikation führte und dem VfL einen wichtigen Baustein nahm. Zwar verkürzte Gummersbach in der Schlussphase noch einmal, mehr als der 29:26-Endstand sprang gegen den sicher stehenden Wolff aber nicht mehr heraus. Andreas Wolff selbst führte die Leistungssteigerung auch auf die Kulisse zurück: "Wir sind heute sehr schwer reingekommen, haben zu Anfang überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Dank der Halle konnten wir Mitte der zweiten Halbzeit das Ruder an uns reißen."
Mit dem Erfolg zog der THW Kiel in der Tabelle vorbei am SC Magdeburg auf Rang zwei (13:3 Punkte), wenngleich die Magdeburger ein Spiel weniger absolviert haben. Der VfL Gummersbach fiel von Rang sieben auf Rang neun zurück und steht nach sieben Spielen bei einem ausgeglichenen Punktekonto von 7:7. Weiter geht es für Kiel bereits am Sonntag, 11. Oktober, mit dem Heimspiel gegen den Handball Club Hamburg. Gummersbach ist erst am Freitag, 16. Oktober, beim ThSV Eisenach wieder gefordert und hat damit eine etwas längere Pause vor sich.

Die Statistiken zum Spiel

THW Kiel - VfL Gummersbach 29:26 (13:15)

THW Kiel: Wolff (14 Paraden), Vargas; Makuc 8/1, Köster 6, Reinkind 4, Ankermann 3, Zerbe 3/2, Dahmke 2, Duvnjak 2, Pekeler 1, Büchner, Nacinovic, Laube, Faust, Skipagøtu

VfL Gummersbach: Obling (14 Paraden), Biosca (1 Paraden); Schluroff 6, Vidarsson 5, Roganovic 4/1, Vujovic 4/2, Häseler 3, Smits 1, Kodrin 1, Zeman 1, Horzen 1, Einarsson, Kiesler, Hallbäck, Sindrason, Dujshebaev

Topspieler: Andreas Wolff (HPI 81) / Miro Schluroff (HPI 83)
Zuschauer: 10045 (MERKUR OSTSEEHALLE)
Zeitstrafen: 3 / 4

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