SCM-Torwart Jensen vor Topspiel: „GETEC-Arena ist unsere Festung“

Vergangenen Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen, nun zuhause gegen die SG Flensburg-Handewitt - und mittendrin noch die Viertelfinals in der Champions League: Der amtierende deutsche Meister SC Magdeburg hat mal wieder Topspiel-Wochen. Für SCM-Keeper Mike Jensen ist das aber mehr Spaß als Belastung.
Trotz der hohen Taktung zeigt sich der SC Magdeburg in bestechender Form: Durch den hart umkämpften 30:28-Heimerfolg über die Polen von Wisla Plock (Hinspiel 22:22) und dank 14 Treffern des überragenden Kay Smits hat sich die Mannschaft von Bennet Wiegert erstmals für das Finalturnier der Champions League in Köln qualifiziert, steht nach 20 Jahren wieder in einem CL-Halbfinale.
Und durch den 37:35-Auswärtssieg bei den Löwen in der LIQUI MOLY HBL am vergangenen Sonntag ist der SCM weiterhin der Top-Verfolger des THW Kiel, zwei Punkte hinter den Zebras, die durch die Niederlage in Paris am Mittwochabend das FINAL4 der Champions League verpassten - im Gegensatz zum SCM nur noch auf einer Hochzeit tanzen, und am Sonntag den HC Erlangen empfangen.
Überraschend meldete sich am Mittwochabend Magnus Saugstrup zurück, der sich Anfang Februar beim DHB-Pokal-Viertelfinalsieg gegen Kiel verletzt hatte - und der dem in den vergangenen Wochen bärenstarken Lukas Meister etwas Entlastung verschaffte, weil auch der nachverpflichtete Kreisläufer Oscar Bergendahl verletzt ist. Überdies fehlt auch weiterhin das isländische Top-Duo Gisli Kristjansson und Omar Ingi Magnusson, das wohl auch bis Saisonende nicht mehr auflaufen wird.
Einer, der dafür vor allem in der Champions League für Aufsehen sorgte, ist Torwart Mike Jensen. Im Hinspiel in Plock wehrte er 15 Bälle ab, im Rückspiel war er in der Schlussphase der Garant für den Sieg, nachdem sich der SCM 50 Minuten lang nicht von den Polen absetzen konnte.
„Wir haben diese ganzen Verletzungen bislang gut kompensieren können. Es zeigt sich, wie stark unser Kader besetzt ist und wie viel Qualität bei uns von der Bank kommt. Nun stehen andere Spieler im Rampenlicht, wie zum Beispiel Michael Damgaard, der gegen die Löwen zehn Mal und im Rückspiel gegen Plock acht Mal traf“, sagt Jensen: „Gegen die Löwen haben wir 37 Treffer geworfen, das zeigt die Qualität im Angriff - und in der Abwehr spielt Lukas Meister gerade herausragend. Aber es tut natürlich richtig weh, das nun auch Gisli ausfällt.“
Seine eigene Leistung will Jensen, der sich den Torwart-Posten mit Nikola Portner teilt, nicht so sehr in den Vordergrund stellen: „Ich mache meinen Job, und wenn ich so wie zuletzt von der Abwehr unterstützt werde, macht das meinen Job einfacher. Ich kam in dieser Saison auch häufig von der Bank und freue mich über jeden Spielanteil - denn den will ich im Sinne der Mannschaft nutzen.“
Wie gegen Plock am Mittwoch soll gegen Flensburg am Sonntag (14.05 Uhr, live auf Sky) die GETEC-Arena für den zusätzlichen Schub sorgen: „Diese Arena ist unsere Festung, unsere Fans üben Druck auf die Gegner aus und geben uns richtig Auftrieb. Deshalb ist jedes Heimspiel für uns ein Vorteil. Doch der Heimvorteil garantiert nicht automatisch, dass man das Spiel gewinnt. Man muss immer noch 100 Prozent geben.“
Jensen, der seine Karriere beim dänischen Klub GOG begann und 2013 U21-Weltmeister wurde, kam 2019 nach Deutschland und spielte zwei Jahre für den HBW Balingen-Weilstetten, bevor er 2021 als Nachfolger des schwedischen Torhüters Tobias Thulin zum SC Magdeburg wechselte. In seiner ersten Saison beim SCM, als er Deutscher Meister und IHF-Super-Globe-Sieger wurde, bildete er mit seinem Landsmann Jannick Green ein Duo. Als Green zu Paris Saint-Germain (potenzieller Gegner beim Champions-League-Finalturnier in Köln) wechselte, teilte er sich mit dem Schweizer Nikola Portner den Posten zwischen den Pfosten.
Derzeit befindet sich Jensen auf seiner Abschiedstournee, da er Magdeburg nach Ende dieser Saison verlassen wird. „Ich denke nicht so sehr an den Abschied. Wenn ich die Arena betrete, konzentriere ich mich nur auf das Spiel. Und wenn man sich unseren Spielplan ansieht, ist es im Moment purer Spaß – zwei Topspiele in der Bundesliga gegen die Löwen und Flensburg, dazu zwei Champions-League-Viertelfinals. Aber ganz ehrlich: Für mich ist ein Spiel ein Spiel, egal ob wir gegen Barcelona oder Minden spielen – es geht immer um den Sieg.“
Mit Blick auf das Restprogramm ist die Partie gegen Flensburg das letzte SCM-Duell gegen ein Team aus dem oberen Drittel, hat also wegweisende Bedeutung. „Wir spielen um die Meisterschaft und die erneute Qualifikation für die Champions League. Und im Endeffekt ist jedes Bundesliga-Spiel ein Topspiel“, sagt Jensen, dessen Mannschaft das Hinspiel in Flensburg mit 34:35 verloren hatte, in der Tabelle aber bereits vier Punkte vor der SG liegt.
Generell will Jensen nicht darüber spekulieren, wie viele Trophäen er auf seiner Abschiedstour sammeln wird, nachdem er den Pokalsieg im Finaldrama beim REWE Final4 gegen die Rhein-Neckar Löwen knapp verpasst hatte: „Natürlich träumen wir jetzt davon, die Champions-League-Trophäe zu gewinnen. Aber sowohl in der Liga als auch der Champions League ist der Titel ein langer und steiler Weg, aber wir werden bis zum Ende weiterkämpfen.“
Foto: Popova










