Jetzt U21-Weltmeister - und dann? So stehen die Chancen von Lichtlein & Co.
Im letzten Spiel ihrer Juniorenzeit haben sie das WM-Finale gewonnen, nun wollen sich die 18 U21-Weltmeister im Seniorenbereich durchsetzen. Wo stehen die Weltmeister aktuell, die allesamt in der LIQUI MOLY HBL und 2. HBL auflaufen? Und wie könnte es für sie weitergehen? - Ein Blick in die Kristallkugel.
David Späth (Rhein-Neckar Löwen): Erst der Held im Pokalfinale, dann Weltmeister und als bester Torwart der WM im All-Star-Team - David Späth hat in den vergangenen Wochen alles mitgenommen was geht. Der gebürtige Kaiserslauterner war schon 2021 Europameister und All-Star-Torwart, fiel dann wegen eines Kreuzbandrisses lange aus. Nach seinem Comeback spielt er in der U21 und bei den Löwen überragend auf. Er nimmt den Dreikampf mit Mikael Appelgren und Joel Birlehm an - und gilt bei den Badenern und auch für die A-Nationalmannschaft als DER Torwart der Zukunft.
Lasse Ludwig (Füchse Berlin): Vor allem beim VfL Potsdam, gelegentlich auch bei den Füchsen Berlin stand Ludwig in der vergangenen Saison seinen Mann, ist in der Hauptstadt hinter Dejan Milosavljev und Viktor Kareev aktuell die Nummer drei. Vor allem seine Leistung im WM-Halbfinale zeigt aber, dass Ludwig, der 2019 in der Bundesliga debütierte, auch in der LIQUI MOLY HBL ein Mann für die Zukunft ist. Mit 15 Jahren kam er vom TuS Helmlingen ins Internat der Füchse, wurde dort Deutscher A-Jugendmeister. Mit Späth bildete er schon 2021 das Gold-Duo.
Tim Freihöfer (Füchse Berlin) Der gebürtige Schwabe wechselte vor fünf Jahren zu den Jung-Füchsen, wurde zweimal A-Jugend-Meister und hatte in der Saison 2021/22 großen Anteil am Zweitligaaufstieg des VfL Potsdam. Mittlerweile ist der Linksaußen Stammspieler der Füchse, erzielte mit 73 Toren in der letzten HBL-Saison mehr Treffer als jeder andere Weltmeister und hatte auch in der European League viele Einsatzzeiten. In Berlin wird er nun mit dem schwedischen Neuzugang Jerry Tollbring um den Stammplatz kämpfen. War bester deutscher Werfer bei der WM - wenige Wochen nach dem Triumpf in der European League.
Mathis Häseler (VfL Gummersbach) Seit neun Jahren trägt der Rechtsaußen das Trikot des VfL, spielte in allen Jugendmannschaften der Oberbergischen und schaffte im Vorjahr den Aufstieg in die LIQUI MOLY HBL. Wie sehr Trainer Gudjon Valur Sigurdsson auf ihn setzt, zeigt die Vertragsverlängerung bis 2026.
Stephan Seitz (HC Erlangen): Der Bayer spielte zunächst im Münchner Vorort Allach, dann beim Zweitligisten Fürstenfeldbruck und wechselte 2021 zum HC Erlangen in die LIQUI MOLY HBL. Dort hatte er in der abgelaufenen Saison nicht so viele Spielanteile wie andere Weltmeister, erzielte in 15 Spielen sieben Treffer. Mit WM-Gold hat der großgewachsene Linkshänder aber nun Argumente für höhere Aufgaben bei den Franken - mal sehen, wie der Neu-Trainer Hartmut Mayerhoffer ihn einbindet.
Florian Kranzmann (GWD Minden) Bei ihm liegen Freud‘ und Leid sehr nahe beieinander - denn mit Minden stieg der im WM-Halbfinale überragende Linksaußen in die 2. HBL ab. In der abgelaufenen HBL-Saison erzielte Kranzmann in 27 Spielen 43 Tore für die Ostwestfalen. Unter dem neuen Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson wird Kranzmann vermutlich eine wichtigere Rolle beim Neuaufbau in der 2. HBL spielen.
Nils Lichtlein (Füchse Berlin) Der Überflieger und MVP der WM, der 2016 aus Regensburg ins Füchse-Internat kam, ist dreifacher deutscher Meister in der Jugend und gab 2021 sein Bundesligadebüt. In der Saison 2022/23 kam der Neffe des Europameisters Carsten Lichtlein in 33 HBL-Spielen zum Einsatz, hatte auch in der European League viele Spielanteile. Als WM-MVP wird er größere Ansprüche stellen, hat aber im rechten Rückraum mit Fabian Wiede und Mathias Gidsel große Konkurrenz vor sich - der Abgang von Jacob Holm nach Paris könnte für Lichtlein aber Chancen auf der Spielmacherposition bieten, die er bei der WM vorrangig eingenommen hatte.
Moritz Sauter (1. VfL Potsdam/Füchse Berlin) Mit 13 Jahren aus Erlangen zu den Füchsen gekommen, stand er in der Vorsaison meist für den VfL Potsdam in der 2. HBL auf dem Feld und erzielte in 33 Spielen 105 Treffer. Sein Siegtreffer gegen Frankreich war eines der wichtigsten WM-Tore, in der Vor-. und Hauptrunde zeigte der bullige Rückraumspieler bärenstarke Leistungen. Ob er künftig eher in Potsdam oder Berlin spielt, muss sich zeigen.
Matthes Langhoff (Füchse Berlin) 20 HBL-Spiele für die Füchse und 67 Treffer in 15 Zweitligaspielen für den VfL Potsdam zeigen, dass Langhoff noch „pendelt“ - allerdings hat er sich gerade in der European League einige Meriten verdient, so auch eine lange Einsatzzeit im European-League-Finale. Mittelfristig wird er mehr für die Füchse auflaufen, vor allem seine Abwehrstärke könnte dabei von Bedeutung sein.
Ole Pregler (VfL Gummersbach) Aus der Leihbasis wurde ein fester Vertrag - der gebürtige Melsunger, der bei der MT alle Altersklassen durchlief, steht seit 2021 im Kader des VfL. In der vergangenen Saison wurde er zu einer wichtigen Stütze beim Aufsteiger, stand in allen 34 HBL-Spielen auf dem Feld und erzielte 61 Tore. An der Seite von Dominik Mappes hat er sich prächtig entwickelt - und ist im Duo mit Julian Köster der Mann für die Zukunft.
Niclas Heitkamp (SC DHfK Leipzig) Bei der am Ende mit Gold gekrönten U19-EM vor zwei Jahren zog er sich eine Knieverletzung zu, fiel über ein Jahr aus, kämpfte sich aber in der vergangenen Spielzeit mit 18 HBL-Einsätzen wieder zurück ins Team der Leipziger - für die Heitkamp seit den Minis spielte. Martin Heuberger holte den Rückraumspieler zurück ins U21-Team, und der Spielmacher zahlte mit starken Leistungen zurück. Ab dem Sommer läuft er für den HBL-Aufsteiger ThSV Eisenach auf - und könnte bei den Thüringer schnell zum Führungsspieler werden.
Renars Uscins (TSV Hannover-Burgdorf) Der Linkshänder hat just vor der WM seinen Vertrag in Hannover-Burgdorf verlängert - und ist im Verein wie im U21-Team, dessen Kapitän er ist, ein Leitwolf. Im April absolvierte Uscins, der in der Jugend in Magdeburg spielte und im Frühjahr 2022 an die Leine wechselte, seine ersten A-Länderspiele. Er gilt neben Späth und Justus Fischer als einer der Kandidaten, die kurzfristig ins A-Team aufrücken könnten. 2021 war er EM-All-Star und Europameister, nun führte Uscins die deutsche Mannschaft aufs Podium. Obwohl ein paar Mal verletzt, absolvierte er 27 Bundesligaspiele und traf dabei 64 Mal - wie Fischer ein absoluter Faktor bei den „Recken“.
Max Beneke (1. VfL Potsdam/Füchse Berlin) Überraschend war Beneke im April in Schweden ebenfalls zu seinem A-Länderspieldebüt gekommen - obwohl der Linkshänder vorrangig beim VfL Potsdam zum Einsatz kam. In der 2. HBL war er mit 204 Toren drittbester Werfer der Saison, bei den Füchsen kam er auf einige Einsatzzeiten in der HBL und der European League - man darf wie bei Sauter gespannt sein, wie viel Spielzeit er im Oberhaus in der neuen Saison bekommt.
Sören Steinhaus (TSV Bayer Dormagen) Auch der Rheinländer drückte der 2. HBL seinen Stempel auf, kam in allen 38 Dormagener Partien zum Einsatz und erzielte dabei 116 Tore. Bei der WM kam er anfangs nur zu Kurzeinsätzen, verletzte sich dann vor dem Viertelfinale. Bei Dormagen hat der Zwei-Meter-Mann noch einen Vertrag bis 2024.
Elias Scholtes (Bergischer HC) Er kam, er sah, er wurde Weltmeister - so kann man die WM für den Badener zusammenfassen. Anfangs gehörte der trickreiche Rückraumspieler nicht zum 16-er Kader, aber im Finale war er da und erzielte sechs Treffer. Scholtes spielte seit frühester Jugend für die Rhein-Neckar Löwen, mit denen er 2022 deutscher A-Jugend-Meister wurde. Im März dieses Jahres zog er seinen zum Saisonende geplanten Wechsel zum Bergischen HC vor, erzielte in 16 Spielen 42 Tore und steuerte zudem 19 Assists bei. Beim BHC stehen ihm alle Türen offen, um sich in der HBL zu beweisen.
Christian Wilhelm (HC Empor Rostock) Wilhelm hat schon eine kleine Deutschland-Reise hinter sich: Vom TSV Nord Harrislee wechselte er in der D-Jugend zum Nachbarn SG Flensburg-Handewitt, 2019 ging es in die Jugend und später Zweitligamannschaft von Bayer Dormagen, 2021 folgte der Transfer zum HC Empor Rostock. Während er in der U21 der Abwehrchef ist, erzielte er für Rostock 2022/23 96 Treffer - aber auch die konnten den Abstieg aus der 2. HBL nicht verhindern. Ab dem Sommer spielt Wilhelm, der auch außerhalb des Felds ein absoluter U21-Führungsspieler war, zu TuSem Essen - ein Neustart bei einem Verein, der für die Integration von Talenten bekannt ist.
Justus Fischer (TSV Hannover-Burgdorf) Auch wenn Nils Lichtlein MVP wurde, David Späth und Renars Uscins ein überragendes Turnier spielten - der Chef im Ring bei den Weltmeistern war der Kreisläufer aus Burgdorf, der in der C-Jugend zu „Recken-Schmiede“ kam. Vor drei Jahren hatte der gebürtige Hannoveraner sein HBL-Debüt, seit der Spielzeit 2022/23 ist er mit einem Profivertrag (bis 2025) ausgestattet und in seiner ersten HBL-Saison kam zu 49 Treffern in 29 Spielen. Im April stand Fischer erstmals in der A-Mannschaft, nun war er im All-Star-Team der WM und zweitbester deutscher Werfer mit 31 Treffern - und dürfte kurz- oder mittelfristig definitiv ein Kandidat für Alfred Gislason sein.
Mika Sajenev (SC DHfK Leipzig) Mit 17 Jahren gab das Leipziger Eigengewächs sein Bundesligadebüt, in der Junioren-Nationalmannschaft war Sajenev aber ein Spätstartet und kam erst im Januar in Heubergers Kader - vor allem aufgrund seiner beim SC DHfK gezeigten Abwehrstärke. Mit 19 Jahren war er der jüngste Spieler im WM-Kader - mit 2,04 Metern aber auch einer der Größten. „Sein Talent ist noch nicht ausgereift, das wird aber noch“, sieht Heuberger eine hoffnungsvolle Zukunft für den schweigsamen Riesen.
Foto: Klahn











