HBL
Mit Balkan-Handball im Blut: Nikola Roganović startet in Gummersbach durch

Foto: Ising
15 Treffer steuerte der 20-jährige Nikola Roganović zum Remis des VfL Gummersbach gegen die MT Melsungen bei. Warum der Schwede mit Balkan-Handball in den Adern ins Oberbergische wechselte und welche Ziele er noch verfolgt, berichtet er vor dem Topspiel der Opel HBL in Berlin.
Ein 20-Jähriger sorgte für den absoluten Kracher am dritten Spieltag der Opel Handball-Bundesliga: Nikola Roganović kam, sah und traf. Beim 31:31 seines neuen Klubs VfL Gummersbach gegen die MT Melsungen erzielte der Schwede sensationelle 15 Treffer, davon alleine neun der ersten zehn Gummersbacher Tore bis zur 10:8-Führung. „Ich wusste, dass ich am Anfang viele Tore gemacht und das Spiel in der Hand hatte, als ich aber die Zahl 15 nach dem Spiel hörte, war ich schon etwas geschockt, dass es so viele waren“, sagte Roganović, der aber auch nicht rundum zufrieden war: „Ich habe auch zwei klare Chancen vergeben, dennoch war das schon in Ordnung.“
Nach einem Treffer in seinem ersten Opel HBL-Spiel überhaupt gegen den SC Magdeburg folgten neun Tore beim 31:26-Sieg der Gummersbacher bei den Rhein-Neckar Löwen. Vor dem Spitzenspiel des vierten Spieltags am Sonntag (18 Uhr, live bei Dyn) bei Pokalsieger Füchse Berlin steht der Rückraumspieler mit 25 Treffern auf Rang drei der Gesamt-Torjägerliste, zwei Tore und zwei Plätze hinter seinem Mannschaftskameraden Miro Schluroff.
Der Handball wurde Nikola Roganović in die Wiege gelegt, sein Vater Zoran war montenegrinischer Nationalspieler, der seit 2003 mit Ausnahme von kurzen Abstechern nach Spanien, Kuwait und Katar immer für schwedische Klubs spielte, die meiste Zeit für Lugi Lund. In der für viele Spitzenhandballer bekannten schwedischen Studentenstadt wurde Nikola 2006 geboren. Viele Jahre war sein Vater dann Trainer von Eskilstuna Guif, wo dann auch Nikolas Talent reifte und er zum Jugendnationalspieler wurde. 2024 führte er als MVP und Torschützenkönig mit 53 Turniertreffern die schwedische Auswahl zur Goldmedaille bei der U18-Europameisterschaft, ein Jahr später folgte Rang vier bei der U19-WM, und Nikola Roganović stand erneut im All-Star-Team.
Da hatte der wurfgewaltige Rückraumspieler schon sein Debüt im Männer-Nationalteam gefeiert, die EM 2026 in Skandinavien war im Alter von 19 Jahren sein erstes großes Turnier im Erwachsenenbereich, das er mit 29 Treffern abschloss. In der Zeit stand sein Wechsel zum VfL schon fest, die vergangene Saison spielte Nikola Roganović beim von seinem Vater trainierten Klub HK Malmö, wo er mit 279 Treffern in Normalrunde und Play-offs Torschützenkönig der schwedischen Liga wurde. Parallel zu seinem Transfer nach Deutschland verabschiedete sich auch sein Vater aus Schweden und ist nun wieder Nationaltrainer Montenegros.
„Ich fühle mich absolut wohl in Gummersbach, mir gefällt das Leben hier und natürlich auch der Handball. Es war immer mein Traum, in der deutschen Liga zu spielen, und bisher war die Entscheidung, so früh nach Deutschland zu wechseln – und speziell nach Gummersbach – genau die richtige. Das passt absolut“, sagt Roganović, für den die Gründe seines Transfers auf der Hand liegen: „Der VfL ist ein toller und sehr ambitionierter Verein, mit Trainer Gudjon Valur Sigurdsson liege ich absolut auf einer Wellenline. Und ich hoffe, dass ich die Erwartungen auch erfüllen, am besten sogar übererfüllen kann. Denn ich bin genauso ehrgeizig wie der VfL.“
Seinen Start in der Opel HBL sieht der Schwede mittlerweile positiver: „Das erste Spiel gegen Magdeburg lief noch nicht so gut, aber die nächsten beiden Partien waren gut. Aber es sind noch sehr viele Spiele zu absolvieren, da will ich so weitermachen. Generell hebe ich aber nicht ab, sondern halte die Füße am Boden und arbeite genauso weiter.“
Dass er mittelfristig in die Fußstapfen des nach Kiel gewechselten VfL-Nationalspielers Julian Köster treten soll, macht Roganović auch nicht verrückt: „Das spielt für mich keine Rolle. Julian war ein überragender Spieler, der eine große Lücke hinterließ. Ich will mein Spiel machen und spüre dabei keinen Druck.“ Eine zusätzliche Motivation ist für Roganović, dass er mit dem VfL in seiner ersten Saison auch international spielt: „Die European League ist ein toller Wettbewerb, mit der Chance, sich als Sieger für die Champions League zu qualifizieren. Und die Champions League-Teilnahme ist unser großes Ziel.“
Ein anderes persönliches Ziel ist, bei der WM 2027 in Deutschland im schwedischen Kader zu stehen. Das Drei-Kronen-Team spielt seine Vorrundengruppe in Kiel und trifft dort auf Norwegen, Griechenland und Katar. „Es ist ein toller Vorteil für mich, dass ich jetzt schon in Deutschland spiele. Wir haben ein tolles Team und ich hoffe, dass wir bei der WM um die Medaillen spielen können. Um dann dabei zu sein, muss ich aber erst einmal meine Leistung im Verein bringen – und daher freue ich mich total auf die Zukunft mit dem VfL.“










